Nahe Zeitung vom 25.09.2006:

Kreatives und konzentriertes Arbeiten

Kettensägenschnitzfestival war sehr gut besucht: Aus Holz wurden fantasievolle Figuren gefertigt, die im Zauberwald leben sollen

Am Fuße des neuen touristischen Highlights, dem Hattgensteiner Aussichtsturm, stand am Wochenende das zweite Kettensägenschnitzfestival an. Nach dem erfolgreichen Probelauf vor zwei Jahren versprach Bürgermeister Manfred Dreier in seiner Eröffnungsrede, diese Veranstaltung zur Tradition werden zu lassen.

HATTGENSTEIN. "Die hergestellten Kunstwerke und Skulpturen verbinden Handwerk, Kultur und Natur in idealer Weise", verwies Manfred Dreier auf das touristische Gesamtkonzept der Verbandsgemeinde Birkenfeld und fügte augenzwinkernd hinzu: "Außerdem bedarf der Walderlebnispfad Zauberwald einer weiteren Möblierung." Der Hattgensteiner Ortsbürgermeister Rudi Gordner empfahl den Festbesuchern, die 110 Stufen des Aussichtsturm zu erklimmen, um bei herrlichem Wetter den Blick weit über das Birkenfelder Land hinaus zu genießen.

Nun heulten die Motoren der Kettensägen auf. Michael Poser von der Touristinformation Birkenfeld war es in diesem Jahr gelungen, fünf Künstler für das Festival zu gewinnen: Vor dem Breitenthaler Uli Peter steht ein 2,50 Meter hoher Eichenstamm. Mit lauten Getöse lässt er seine Kettensäge geschickt in das Holz gleiten; die Sägespäne fliegen. Noch können sich die zahlreichen Zuschauer nicht vorstellen, dass nach ein paar Stunden hieraus ein indianischer Totempfahl in Form eines Raben entstehen soll. "Für das Kunstschnitzen sind spezielle Motorsägen und ein gewisses Talent erforderlich", erklärt der Forstwirtschaftsmeister des Forstamtes Idarwald. Ein paar Schritte weiter bewundern die Festivalbesucher die Arbeiten von Sven Wagner. Der Niederbrombacher hat vor zehn Jahren seine kreative Ader entdeckt und fertigt seither aus dem heimischen Rohstoff herrliche Skulpturen. Aus seiner Hand erhält der Zauberwald in diesem Jahr einen "Dilldapp". "Bei der künstlerischen Gestaltung des Holzes handelt es sich auch um anstrengende Arbeit, und es ist höchste Konzentration erforderlich", betont der Forstwirtschaftsmeister des Forstamtes Birkenfeld. Ein falscher Schritt kann das "Aus" für die gesamte Skulptur bedeuten.

Weitere mystische Figuren steuern Kettensägen-Virtuosen aus Seibersbach, Ludwigswinkel und Altenkirchen bei: Der angrenzende Walderlebnispfad wird durch Kreationen um einen Zauberer, einen Adler und "das letzte Einhorn" noch attraktiver.

Passend zum Thema "Holz" hatte Stefan Giebel sein mobiles Sägewerk am Rande des Hattgensteiner Aussichtsturm aufgebaut. Aus Fichten und Douglasien schnitt der Primstaler je nach Wunsch der Besucher Bohlen, Bau- oder Kantholz.

"Mehr als 20 regionale Aussteller beim inhaltlich passenden Handwerker- und Bauernmarkt stellen eine ideale Ergänzung zu den Kettensägenkünstlern dar", erläuterte Organisator Michael Poser das gelungene Konzept des Festivals. Rund um das ehemalige Sportplatzgelände konnten die Marktbesucher an zahlreichen Ständen einheimische Kunst- und Naturprodukte bewundern.

Hier durfte natürlich auch das Holz verarbeitende Handwerk nicht fehlen. Ein attraktives Rahmenprogramm komplettierte das zweite Kettensägenschnitzfestival: Neben dem Kinderschminken und dem Torwandschießen begeisterten insbesondere die jungen Festbesucher die Kutschfahrten von Karl-Heinz Hess. Der Hattgensteiner präsentierte bei seiner Fahrt die herrliche Wald- und Naturlandschaft rund um seinen Heimatort, dem frisch gebackenen Silbermedaillengewinner auf Landesebene beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

"Der Besucheransturm war immens, und wir freuen und schon auf das nächste Jahr", bilanzierte Ortsbürgermeister Rudi Gordner.   (ok)

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