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Trier/Koblenz Der
Gebietsentscheid Koblenz im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist
abgeschlossen. Das Ergebnis, das von der Jury in Koblenz festgestellt
wurde, hat der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD),
Dr. Josef Peter Mertes, heute bekannt gegeben.
Die Ortsgemeinde Insul in der
Verbandsgemeinde Adenau, Landkreis Ahrweiler (Hauptklasse) und die
Ortsgemeinde Hattgenstein in der Verbandsgemeinde Birkenfeld im Landkreis
Birkenfeld (Sonderklasse) sind die erstplazierten Gemeinden des diesjährigen
Gebietsentscheides Koblenz beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.
Den zweiten Platz belegte in der Hauptklasse die Gemeinde Mesenich
aus der Verbandsgemeinde Cochem-Land im Landkreis Cochem-Zell. Die
Gemeinde Hatzenport (VG Untermosel, Landkreis Mayen-Koblenz) wurde Dritte,
gefolgt von Thür (VG Mendig, Landkreis Mayen-Koblenz) und Hergenfeld (VG
Rüdesheim, Landkreis Bad Kreuznach).
In der Sonderklasse (hier
finden sich die Gemeinden, die schon früher am Gebietsentscheid
teilgenommen haben), belegte Buch (VG Nastätten, Rhein-Lahn-Kreis) den
zweiten Platz. Platz drei ging an die Gemeinde Niederelbert (VG Montabaur,
Westerwaldkreis), gefolgt von Elkenroth (VG Gebhardshain, Landkreis
Altenkirchen). Alle neun Gemeinden nehmen am Landesentscheid teil.
Einzelbetrachtungen in der
Hauptklasse:
Insul:
Insul (470 Einwohner) ist ein Dorf im oberen Ahrtal. Die Gemeinde
gehört zur Verbandsgemeinde Adenau und dem Landkreis Ahrweiler. In Insul
begrüßt die Jury die ganzheitliche Entwicklungskonzepti-on und deren
kontinuierliche Umsetzung. Die
Gemeinde präsentiert sich durch sehr aktive Vereine ( Junggesellen,
Sport, Musik ) und eine intaktes Miteinander. Dabei wird die Übergabe von
Traditionen an die nachfolgenden Generationen groß geschrieben. Der
Junggesellenverein Insul e.V. besteht seit über hundert Jahren und pflegt
die zum Teil recht eigenen Bräuche der Eifel. Zahlreiche Feste werden
organisiert; ein Beispiel ist das über die Region hinaus bekannte
„Oktoberfest“, das in diesem Jahr zum 34. Mal ausgerichtet wird.
Durch das hohe Engagement der Bürger im Ort kann das touristische
Potenzial, z.B. durch den Ahrradweg, hervorragend genutzt und ausgebaut
werden. Der Ahrradweg, einer der 7 Radfernwege in Rheinland-Pfalz, ist
vorbildlich ausgeschildert und soll demnächst eine Nebenschleife durch
den Ort erhalten. Beispielhaft
findet die Jury die Weiterführung der Sanierung des Ortskerns nach dem
Motto „Junge Familien in alten Häusern“; für die besonderen Gebäudesanierungen
mit Gartengestaltung soll als Beispiel das Haus Peerenboom in der
Hauptstraße 41 genannt werden. Der
durchgrünte Ort besitzt alle Elemente, die das Dorf ökologisch
aufwerten: bunte Staudengärten, lebhafte Bauerngärten, Fassaden- und
Dachgrün, Blumenschmuck, lokaltypische Dorf- und Hausbäume, einige
„ungepflegte Ecken“ mit dorftypischer Ruderalvegetation sowie die
naturnahe Ahr als Lebensader und ein strukturreicher Ortsrand mit Nutzgärten
und Streuobst im Übergang zur freien Landschaft.
Die Jury regt an, mit einer öffentlichkeitswirksamen Fachberatung
die dorfökologischen Aspekte weiter zu entwickeln und damit wertvolle
Begrünungs- und Artenschutzmaßnahmen zu initiieren.
Mesenich:
Das Weindorf Mesenich liegt im „Cochemer Krampen“, dem
Moselbogen zwischen Cochem und Bremm (360 Einwohner, Verbandsgemeinde
Cochem-Land im Landkreis Cochem-Zell) Besonders positiv wertete die Jury
die konsequente Weiterentwicklung der Dorferneuerung - besonders im
privaten Bauen und Sanieren sowie im weintouristischen Bereich.
In Mesenich, so die Jury, ist die Pflege der Vereinstätigkeiten
besonders hervorzuheben (mehr als 10 aktive Vereine). Genannt werden soll
z.B. der Verein zur Erhaltung der ortsbildprägenden Bausubstanz
(„Pumpenverein“) und der Heimat- und Verkehrsverein. Eine Besonderheit
sind gemeinsame Feste mit den Nachbargemeinden (z.B. das Weinlagenfest
Mesenich/Senheim mit Kulinarischem aus Keller und Küche in den
Weinbergen). Das Zusammenwirken der Vereine mit den privaten Initiativen
der Winzer, Gasthöfe und Zimmervermieter bewirkt eine beeindruckende
Erlebnisvielfalt dieses typischen Moseldorfes und somit die beste
Grundlage für den Tourismus. Konsequent
wird die von der Moselland-Tourismus GmbH konzipierte
„Mosel-Erlebnis-Route“ mit den Themenbereichen „Pedes, Paddel und
Pedale“ umgesetzt. Hierzu
gehören z.B. - neue qualitätsvolle
Hotels Weinstuben und Straußwirtschaften, - Mesenich per pedes: der
Rundgang durch den historischen Ortskern - Kanu- und Fahrradverleih - die
Nordic-Walking-Route - die Gästeinfostände - die Kennzeichnung der
historischen Bauten durch Tontafeln innerhalb eines umfassenden
Info-Leit-Systems - der Kulturweg "Mesenicher Steinreichskäpp",
der bei prächtiger Aussicht auf das Moseldorf die Begriffe ‚Stein Wein
und Natur’ miteinander verbindet. "Mesenicher-Steinreichskäpp"
ist der traditionelle Spottnamen der Mesenicher, hergeleitet von den
zahlreichen ‚Steinräuschen’ in den Weinbergen. Positiv bemerkte die
Jury die Vernetzung zur Nachbargemeinde Briedern und zu dem Skulpturenpark
Senheim Beeindruckend ist die
Vielzahl der erhaltenen und vorbildlich sanierten Bauten und Höfe im
alten Ortskern, der in seinen wesentlichen Teilen aus dem späten
Mittelalter stammt. Durch die rege Sanierungstätigkeit gibt es
mittlerweile keine leerstehenden Gebäude im Ortskern mehr. Als Beispiel für
die Sanierungs- und Umnutzungsvorhaben sei der spätbarock-klassizistische
Brauweiler Hof genannt, der bis Ende des 18. Jahrhunderts auch als
Zehnthof diente. Er wurde 1771 unter Baumeister Nikolaus Lauxen errichtet
und wird heute als Wohnhaus mit Gästezimmern und Ferienwohnungen genutzt.
Positiv registrierte die Jury auch, dass die Gemeinde Beratungs-leistungen
für private Dorferneuerungsmaßnahmen anbietet („Beratervertrag“).
Das durchgrünte Dorf besticht durch bunte Gärten, Blumenschmuck
und Weinreben am Haus sowie mancherorts begrünten Fassaden und
ortstypischen Gehölzen. Dennoch gibt es viel Platz, weiteres Grün an
Haus, im Garten und auf dem Weg zu entwickeln, so die Jury. Spontane
Vegetation sollte in Pflasterfugen, Mauern und ungenutzten Winkeln
zugelassen werden, weil sie Refugien für Tiere und Pflanzen im Ort
bieten. Im Hinblick auf geplante Gebäudesanierungen sollte ein Experte
sich um die Bedürfnisse der Haustiere wie Fledermaus, Schwalbe und
Schleiereule kümmern. Positiv
wertete die Jury, dass im Außenbereich aufgegebene Weinberge mit dem
roten Weinbergspfirsich bepflanzt werden; die Produkte des
Weinbergpfirsich (Marmelade, Likör) werden neben dem Wein als
Leitprodukte vermarktet. Beispielhaft ist auch die unauffällige Existenz
des Campingplatzes am Ortsrand durch eine sehr gute Ein- und Durchgrünung.
Hatzenport:
Hatzenport ist ein typisches Moselweindorf der Terrassenmosel (660
Einwohner, Verbandsgemeinde Untermosel, Landkreis Mayen-Koblenz).
Positiv bewertete die Jury die konsequente Umsetzung der von der
Moselland-Tourismus GmbH konzipierte „Mosel-Erlebnis-Route“ mit den
Themenbereichen „Pedes, Paddel und Pedale“. Hatzenport bietet
zahlreiche Anziehungspunkte, um den Tourismus an der Mosel regionaltypisch
weiterzuentwickeln. Hierzu gehören z.B.:
- der Kultursommer „Hatzenporter Sommersonnenwende“ mit
„Kunst & Kultur, Küche & Keller“ - der „Wein-Wetter-Weg“
ist einer der besonderen Themenwege der WeinKulturLandschaft Mosel, der
Zusammenhänge von Wein und Klima darstellt; 2 Wetterstationen sind in
diesen Weg integriert. - „Happy Schrumpfbach“, von Mühle zu Mühle im
Schrumpfbachtal - eine Gemeinschaftsaktion mit der Nachbargemeinde Münstermaifeld
- die Gästeinfo am Fährturm - neue qualitätsvolle Weinstuben und Straußwirtschaften
- der Ausbau eines umfangreichen Wanderwegenetzes in Eigeninitiative durch
Hatzenporter Bürger und Rentner Neben
den guten Beispielen der Renovierung, Sanierung und Modernisierung alter
Bausubstanz hat die Ortsgemeinde mit der Erneuerung des Bahnhofes samt
Bushaltestelle einen bedeutenden Beitrag zum Ausbau kommunaler
Infrastruktur und damit auch zur Förderung des Tourismus geleistet, so
die Jury weiter. Dorftypische
Pflanzen und Tiere sind allerorten zu finden. Artenreich begrünte und
bunte Höfe fallen ins Auge. Der wertvollen spontanen Vegetation, die sich
von selbst entwickeln kann und Refugien für heimische Fauna und Flora
bietet, könnte in Winkeln und Ecken oder auf ungenutzten Flächen noch
mehr Raum gelassen werden, so die Jury. Wo immer möglich sollte die
standortgerechte Begrünung von Haus und Garten für eine konsequente
Durchdringung der ökologischen Aspekte im Dorf genutzt werden.
Im Außenbereich zeigt Hatzenport ein großes Engagement für die
Offenhaltung der Landschaft; brachgefallene Weinbergsterrassen werden
freigestellt, die für die Terrassenmosel typischen Trockenmauern werden
restauriert und gepflegt. Positiv wertete die Jury, dass im Außenbereich
aufgegebene Weinberge mit dem roten Weinbergspfirsich bepflanzt werden;
die Produkte des Weinbergpfirsich (Marmelade, Likör) werden neben dem
Wein als Leitprodukte vermarktet. Vorbildlich ist die Einbeziehung der
"Öko-Stiftung Untermosel" , die sich für die Erhaltung des
moseltypischen Landschaftsbildes besonders einsetzt.
Thür:
Thür liegt in der „Pellenz“, einer durch den Vulkanismus geprägten
Landschaft zwischen dem Maifeld und dem Laacher See (1495 Einwohner,
Verbandsgemeinde Mendig, Landkreis Mayen-Koblenz)
Besonders positiv wertete die Jury Gestaltung des durch
landwirtschaftliche Gehöfte geprägten und für die Region typischen
„Basaltdorfes“ mitten im Vulkanpark.
Mit 16 Betrieben ist Thür ein typisch landwirtschaftlich geprägter
Ort, der in Verbindung mit den landschaftskulturellen Potenzialen (z.B.
Keltenfunde, Naturschutzgebiet Thürer Wiesen, Fraukirch) gute
Entwicklungsmöglichkeiten für den sanften Tourismus bietet. Die
Radwegeverbindungen nach Andernach, Mayen und zum Laacher See bieten
zusammen mit der Bahnanbindung sehr gute Voraussetzungen, die durch eine
regionale Infrastruktur wie z.B. die Hofläden unterstützt werden.
Lobenswert ist die erstmalige Anlage des Dorfmittelpunktes mit
Gemeindehaus, Pfarrhaus, Scheune, entstanden durch die Umnutzung und den
Umbau zweier landwirtschaftlicher Hofanlagen. Positiv ist auch die Wahrung
des über Jahrhunderte entstandenen Ortsgrundrisses sowie äußerst
interessante Beispiele zur Gestaltung von Höfen und Gärten.
Bekanntestes Bauwerk in der Gemarkung Thür ist die sagenumwobene
Wallfahrtskirche Fraukirch mit ihrer eindrucksvollen Hofanlage. Stallungen
und Scheunen bilden zusammen mit dem Herrenhaus inmitten der weiten Flure
eine Oase für Menschen, die Stille und Ruhe suchen.
Ökologisch wertvolle Elemente im Dorf sind die bunten Staudengärten,
artenreiche Fassadenbegrünungen, dorftypische Gehölze und unversiegelte
Plätze. Sie sind als Vorbild zu betrachten, um die Durchgrünung des
Ortes an öffentlichen und privaten Gebäuden sowie in Hofräumen fortzuführen.
Gebäudesanierungen sollten auch die Bedürfnisse der dorftypischen
Bewohner wie Mauersegler, Haussperling und Mehlschwalbe berücksichtigen,
damit ihnen das Überleben in der für sie verschlechterten Umwelt
erleichtert wird, so die Jury. Im
Außenbereich wertete die Jury das Renaturierungsprojekt „Thürer
Wiesen“ sehr positiv. Dort wurde in einer Fläche von über 35 ha die
Gewässeraue des Thürer Baches renaturiert; weiterhin wurden
Hochwasserretentionsräume geschaffen. Es hat sich ein großer
Artenreichtum an Flora und Fauna eingestellt, so dass mittlerweile 26 ha
der „Thürer Wiesen“ unter Naturschutz gestellt werden konnten.
Hergenfeld:
Das Naturparkdorf Hergenfeld hat 494 Einwohner. Es liegt zischen
dem Soonwald und der Nahe (Naturpark Soonwald-Nahe, Verbandsgemeinde Rüdesheim,
Landkreis Bad Kreuznach). Hergenfeld
beweist, dass auch ein kleines Dorf „Zukunft“ hat. Dies zeigt sich
insbesondere in der aktiven Dorfgemeinschaft, in der die Bürger Probleme
gemeinsam anpacken und lösen. Die Elterninitiative baut einen eigenen
Spielplatz, es gibt umfassende Angebote für die Jugend. Besonders positiv
bewertet die Jury die Verbindung von Spielleitplanung und Dorfentwicklung.
In Hergenfeld werden vor allem auch durch die Dorferneuerung
sukzessive die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, um das
touristische Potenzial des Naturparks Soonwald–Nahe zu nutzen. So konnte
die Gastwirtschaft wieder geöffnet werden und es gibt wieder Anbieter für
Ferienwohnungen und Zimmervermietung.
Hervorzuheben sind insbesondere die ästhetischen Qualitäten des
zentralen Spielplatzes und des Neubaugebietes, dessen Häuser sich - wie
im Ortskern - durch warme Farbtöne in das traditionelle Orts- und
Landschaftsbild einfügen („Mut zur abgestimmten Farbigkeit, weg vom
Einheitsweiß“). Positiv ist auch die rege Sanierungstätigkeit im
Ortskern; hierbei bietet die Gemeinde Bau- und Farbberatungen durch ein
Fachbüro an. Ortstypische Bäume,
schöne Staudengärten und begrünte Fassaden tragen wesentlich zur guten
Durchgrünung des Dorfes bei. Trotz des Vorliegens eines dorfökologischen
Konzeptes finden sich dennoch mancherorts standortfremde Koniferengehölze
und auch artenarme Gärten. Mit Hilfe fachlicher Beratung könnten Private
überzeugt werden sowie Artenschutzaspekte auch an öffentlichen Gebäuden
Berücksichtigung finden, um Lebensraum für Tiere des Dorfes zu schaffen
und die standortgerechte und lokaltypische Durchgrünung des Ortes
konsequent fortzuführen, regt die Jury an.
Im Außenbereich fielen die Ergänzung und Pflege der Ortseingrünung,
die gute Einbindung der Sport- und Erholungsstätten in die Landschaft
sowie Anbindung der Reiterhöfe durch Baumalleen und Bewuchs positiv auf.
Insgesamt – so die Jury - ein sehr lebendiger Ort; ein
beeindruckendes Engagement der Dorfgemeinschaft aller Altersgruppen in
privaten und auch gemeinsamen Initiativen
Einzelbetrachtungen
Sonderklasse:
Hattgenstein:
Hattgenstein ist eine kleine Gemeinde mit 278 Einwohnern. Sie liegt
am südlichen Rand des Schwarzwälder Hochwaldes und ist mit 591 m über
dem Meeresspiegel der höchstgelegene Ort in der Verbandsgemeinde und dem
Kreis Birkenfeld. Ihr Wahrzeichen ist das historische Glockenhaus aus dem
18. Jahrhundert. Die Entwicklung
vom reinen, landwirtschaftlich geprägten Dorf zum lebenswerten
Wohnstandort erfolgt auf Grundlage einer überzeugende Rahmenplanung die
alle wichtigen Bereiche des dörflichen Lebens umfasst.
Eine Besonderheit ist der Verein „Hattgenstein Natürlich e.V.“
dessen Ziele besonders in ökologischer und baugestalterischer Hinsicht
ganz im Sinne des Mottos „Unser Dorf hat Zukunft“ weit über die eines
Dorfverschönerungsvereins üblicher Ausprägung hinausreichen.
Sehr erwähnenswert sind mehrere vorbildlich renovierte,
ortsbild-prägende Gebäude in der Ortsmitte, aber auch im positiven
Kontrast hierzu das moderne, energiesparende „Haus im Haus Konzept“
des Wohnhauses Finken. Das bisher Erreichte vermittelt Zuversicht, dass
auch die im Ortsbild vorhandenen Bauten der 50-er Jahre unverfälscht
erhalten und eingebunden werden können. Sehr gefallen konnte die zurückhaltende,
angemessene Architektur des Dorfgemeinschaftshauses.
Durch seine Lage am Waldrand, den Baumbestand und den Verzicht auf
steinerne Grabeinfassungen wird der dörfliche Friedhof zu einem der
wenigen vorbildlichen Anlagen in der Region.
Im Dorf finden sich erfreulicherweise noch viele alte, ländliche
Pflanzensorten. Zahlreiche Alleen verknüpfen Dorf und Landschaft. Die
Ortsrandbegrünung ist intakt. Neben der Pflanzung dient auch die Pflege
und die Nutzung der Streuobstbestände dem Erhalt einer vielfältigen
Kulturlandschaft. Einen
Beitrag zum sanften, landschaftsgerechten Tourismus liefern das gut
ausgebaute Wanderwegenetz und der Zauberwald. Der grandiose Ausblick von
der höchsten Plattform des neu errichteten, auch
konstruktiv-gestalterisch gelungenen Turmbauwerks am ehemaligen
Sportplatz, lädt dazu ein für ein paar Minuten die Zeit zu vergessen.
Buch:
Buch besitzt 585 Einwohner und ist in unmittelbarer Nachbarschaft
zum Unterzentrum Nastätten gelegen. Dennoch wandelte sich die Gemeinde
nicht zu einem beliebigen Wohnort, sondern hat sich eine eigenständige dörfliche
Qualität und somit ein wichtiges Stück Zukunftsfähigkeit erhalten.
Mit der guten Platzierung würdigt die Jury auch die enorme Dynamik
in der Entwicklung der Gemeinde.
Gelungen ist das Gestaltungskonzept einer „neuen Ortsmitte“ im
Umfeld des Vereinshauses. Die bereits weit vorangetriebene Umsetzung des
Vereinsgebäudes ist von viel freiwilliger Eigenleistung der Bürger und Bürgerinnen,
einem wichtigen Element der Dorfentwicklung, besonders in Zeiten knapper
Kassen geprägt. Eine Vorher-Nachher-Dokumentation verdeutlicht die
erzielten Fortschritte. Sehr
gefallen konnte die Einbindung von Kindern und Jugendlichen als fester
Bestandteil des Dorflebens. Hervorzuheben ist die Idee den Jugendlichen
einen Bauwagen als temporäre Unterkunft im Ortsmittelpunkt zur Verfügung
zu stellen und in ein architektonisch-künstlerisches Gesamtkonzept unter
Einbeziehung selbst einer Trafostation einzubinden, das von den
Jugendlichen mitgestaltet wurde. Ein Baustein um junge Leute auch zukünftig
für ein Leben im ländlichen Raum zu gewinnen.
Erfreulich, dass sich Privatpersonen zur Modernisierung ortsbild-prägender
Gebäude wie der „Alten Mühle“ oder zur Umnutzung des Schuppens beim
Alten Hof an der Hauptraße fanden. Hier liegt noch weiteres Potential zur
Fortentwicklung des Dorfes. Sehr
positiv wurde auch bewertet, das der Vorrang der Innenentwicklung vor Außenentwicklung
als Beitrag zum Erhalt der Ortskerne erkannt und gelebt wird. Auf diese
Weise liefert die Gemeinde auch einen weitern Beitrag zur Schonung von
Natur und Umwelt. Mit
der Vermostung der auf den Streuobstwiesen geernteten Äpfel wird ein
sinnvoller Beitrag zum langfristigen Erhalt dieser ökologisch wichtigen
Bereiche geliefert. Ein
Beitrag zur sanften, dorfgerechten Erholung wurde mit der Wiedererschließung
des Bucher Tals geschaffen. Mit einem Maßnahmebündel wurde der Bucher
Bach ökologisch aufgewertet und durch einen geschickt eingebundenen
Wanderweg erschlossen. In der Nähe findet sich ein Sauerbrunnen, der von
einem blauen Pferd als Symbol für das blaue Ländchen besucht wird.
Niederelbert:
Niederelbert findet man im Westerwald südlich von
Montabaur im Naturpark Nassau. Die Gemeinde besitzt etwa 1.750 Einwohner.
In Erinnerung bleibt sie den „Durchreisenden“ durch die
gelungene Gestaltung der Dorfstrasse mit Großgrün, vielen geschickt
angelegten Grünflächen und den erlebbar gestalteten Bachläufen. Dabei
ist der Elbertbach sowohl ortsbildprägend als auch ökologisch bedeutsam.
An dieser „Dorfachse“ wurde eine echte Ortsmitte geschaffen.
Hier finden sich neben dem Rathaus mit einer kleinen Bücherei Gastronomie
und Geschäfte die der Versorgung dienen.
Das Dorf hat sich allerdings längst vom Straßendorf zum
Haufendorf entwickelt. Dieser Entwicklung liegen qualifizierte, gut
strukturierte Konzepte zu Grunde.
Gefallen konnte auch die Jungendarbeit, die einen autonom von
Jugendlichen selbst geführten Jugendtreff zulässt. Alle für ein Dorf dieser Größenordnung wichtigen, öffentlichen
Einrichtungen sind vorhanden, hinterlassen einen gepflegten Eindruck und
prägen ihr Umfeld positiv. Daneben
finden sich eine ganze Reihe hervorragend renovierter ortsbildprägender
privater Gebäude. Mit diesem Einsatz leisten private Eigentümer einen
ganz wichtigen Beitrag zum Erhalt der Identität des Dorfes. Als Beispiel
hierfür steht, neben vielen anderen, die alte Mühle. Herausragend aus der ohnehin regen Vereinsarbeit sind
die Chöre des Gesangvereins „Hoffnung“ die eine Bedeutung sicher weit
über Niederelbert hinaus besitzen.
Elkenroth:
Die Gemeinde Elkenroth ist zwischen Hachenburg und Betzdorf auf
einem Hochplateau gelegen. Sie besitzt knapp 2.000 Einwohner.
Die Entwicklung des Dorfes wird mit großer Zielstrebigkeit
vorangetrieben. Fachbereichsübergreifende Planungen (zum Beispiel
Spielleitplanung, Grünordnungsplanung, usw.) greifen gut ineinander. Die
beabsichtigte weitere Verbesserung der Ortsmitte wird planungsrechtlich
durch einen Bebauungsplan abgesichert.
Wohnen und gewerbliche Nutzungen sind harmonisch in das Ortsbild
eingefügt. Der Arbeitskreis Schule und Wirtschaft bemüht sich um
berufliche Perspektiven für junge Leute.
Als sehr erfreulich kann die für einen Ort dieser Größenordnung
sehr gute Grundversorgung bewertet werden.
Der Steinbornpark als „grüne Mitte“ steht für eine
dorfgerechte Freizeit- und Erholungsfläche.
Die naturnahe Waldbewirtschaftung die in Elkenroth durchgeführt
zeigt beispielhaft eine Möglichkeit für eine Balance zwischen
wirtschaftlichen und ökologischen Interessen.
Erfreulich, dass die verschiedenen Schutzgebiete (Vögel, Wasser )
die die Gemeinde umgeben, mehr als Potential für touristische Konzepte,
denn als Korsett und Beschränkung begriffen werden.
Auch in Elkenroth wurde erkannt und verinnerlicht das zukünftig
anstelle der Ausweisung weiterer Neubaugebiete, der Focus auf die innerörtliche
Entwicklung gerichtet werden muss. Oder um es anders zu sagen: „Unser
Baugebiet ist der Ortskern“. Gesamteindruck
der Gebietsentscheide Entsprechend der Neuausrichtung des Wettbewerbs
"Unser Dorf hat Zukunft" lag bei der Gebietskommission ein
besonderes Augenmerk auf den Zukunftsperspektiven in den jeweiligen
Gemeinden. Allen Siegergemeinden gemeinsam war das große Engagement der Bürgerinnen
und Bürgern. Es hat sich bei den Ortsbegehungen wiederum gezeigt, dass
eine Vielzahl von beispielhaften Initiativen bei ihrer Umsetzung mit einem
hohen Einsatz von Eigenleistungen verbunden ist. Zunehmend hat man
erkannt, dass die Entwicklung des ländlichen Raumes ein vernetztes Denken
und Arbeiten voraussetzt und der Prozess der Erneuerung im Kontext von
wirtschaftlicher Entwicklung, Tourismus und damit auch von örtlichen
Wertschöpfungen gesehen werden muss.
Insgesamt haben sich für den
Gebietsentscheid im Gebiet Koblenz 2006 von 260 teilnehmenden Gemeinden in
Rheinland-Pfalz 31 Gemeinden qualifiziert. Von diesen 31 Gemeinden werden
in der Hauptklasse 5 und in der Sonderklasse 4 Gemeinden des
Gebietsentscheides 2006 im Landesentscheid vertreten sein. Die 5
Siegergemeinden in der Hauptklasse werden in der Zeit vom 11. – 15.
September 2006 und die Sieger in der Sonderklasse in der Zeit vom 04. –
08. September 2006 von der Landeskommission besucht. Auf drei
Gebietsfeiern wird der ADD-Präsident, Dr. Josef Peter Mertes, die
erfolgreichen Gemeinden persönlich ehren. Die genauen Termine werden noch
bekannt gegeben. Die Resonanz
auf die Sonderpreise des Präsidenten der Aufsichts- und
Dienstleistungsdirektion im Gebietsentscheid zu den Themen „Vorbildlich
renovierte ortsbildprägende Bauten im ländlichen Raum“ und
„Vorbildliches neues Bauen im ländlichen Raum“ waren sehr
unterschiedlich. Es konnte eine Vielzahl vorbildlich renovierter
ortsbildprägender Bauten im ländlichen Raum in den Gemeinden angetroffen
werden, dagegen war die Ausbeute im Bereich des vorbildlichen neuen Bauens
sehr spärlich. Das Ergebnis
der Expertenkommission zur Auswahl dieser Sonderpreise wird am 02.
November in Trier bekannt gegeben.
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