Hattgenstein gewinnt den Gebietsentscheid in der Sonderklasse

Nach dem Erfolg in der Hauptklasse 2003 konnte Hattgenstein im diesjährigen Bezirksentscheid des Wettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft" auch die Sonderklasse für sich entscheiden. Hier die Pressemitteilung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Nord in Koblenz:


Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz  <http://www.add.rlp.de/> 

Pressemitteilung Nr. 94 vom 21.07.2006

 

„Unser Dorf hat Zukunft“ Gebietsentscheid Koblenz - Erste Plätze für die Gemeinden Insul/Ahr und Hattgenstein bei Birkenfeld im Gebietsentscheid Koblenz

 

Trier/Koblenz Der Gebietsentscheid Koblenz im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist abgeschlossen. Das Ergebnis, das von der Jury in Koblenz festgestellt wurde, hat der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Dr. Josef Peter Mertes, heute bekannt gegeben.

Die Ortsgemeinde Insul in der Verbandsgemeinde Adenau, Landkreis Ahrweiler (Hauptklasse) und die Ortsgemeinde Hattgenstein in der Verbandsgemeinde Birkenfeld im Landkreis Birkenfeld (Sonderklasse) sind die erstplazierten Gemeinden des diesjährigen Gebietsentscheides Koblenz beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.  Den zweiten Platz belegte in der Hauptklasse die Gemeinde Mesenich aus der Verbandsgemeinde Cochem-Land im Landkreis Cochem-Zell. Die Gemeinde Hatzenport (VG Untermosel, Landkreis Mayen-Koblenz) wurde Dritte, gefolgt von Thür (VG Mendig, Landkreis Mayen-Koblenz) und Hergenfeld (VG Rüdesheim, Landkreis Bad Kreuznach).

In der Sonderklasse (hier finden sich die Gemeinden, die schon früher am Gebietsentscheid teilgenommen haben), belegte Buch (VG Nastätten, Rhein-Lahn-Kreis) den zweiten Platz. Platz drei ging an die Gemeinde Niederelbert (VG Montabaur, Westerwaldkreis), gefolgt von Elkenroth (VG Gebhardshain, Landkreis Altenkirchen). Alle neun Gemeinden nehmen am Landesentscheid teil.

Einzelbetrachtungen in der Hauptklasse:

Insul:
Insul (470 Einwohner) ist ein Dorf im oberen Ahrtal. Die Gemeinde gehört zur Verbandsgemeinde Adenau und dem Landkreis Ahrweiler. In Insul begrüßt die Jury die ganzheitliche Entwicklungskonzepti-on und deren kontinuierliche Umsetzung.  Die Gemeinde präsentiert sich durch sehr aktive Vereine ( Junggesellen, Sport, Musik ) und eine intaktes Miteinander. Dabei wird die Übergabe von Traditionen an die nachfolgenden Generationen groß geschrieben. Der Junggesellenverein Insul e.V. besteht seit über hundert Jahren und pflegt die zum Teil recht eigenen Bräuche der Eifel. Zahlreiche Feste werden organisiert; ein Beispiel ist das über die Region hinaus bekannte „Oktoberfest“, das in diesem Jahr zum 34. Mal ausgerichtet wird.  Durch das hohe Engagement der Bürger im Ort kann das touristische Potenzial, z.B. durch den Ahrradweg, hervorragend genutzt und ausgebaut werden. Der Ahrradweg, einer der 7 Radfernwege in Rheinland-Pfalz, ist vorbildlich ausgeschildert und soll demnächst eine Nebenschleife durch den Ort erhalten.  Beispielhaft findet die Jury die Weiterführung der Sanierung des Ortskerns nach dem Motto „Junge Familien in alten Häusern“; für die besonderen Gebäudesanierungen mit Gartengestaltung soll als Beispiel das Haus Peerenboom in der Hauptstraße 41 genannt werden.  Der durchgrünte Ort besitzt alle Elemente, die das Dorf ökologisch aufwerten: bunte Staudengärten, lebhafte Bauerngärten, Fassaden- und Dachgrün, Blumenschmuck, lokaltypische Dorf- und Hausbäume, einige „ungepflegte Ecken“ mit dorftypischer Ruderalvegetation sowie die naturnahe Ahr als Lebensader und ein strukturreicher Ortsrand mit Nutzgärten und Streuobst im Übergang zur freien Landschaft.  Die Jury regt an, mit einer öffentlichkeitswirksamen Fachberatung die dorfökologischen Aspekte weiter zu entwickeln und damit wertvolle Begrünungs- und Artenschutzmaßnahmen zu initiieren.

Mesenich:
Das Weindorf Mesenich liegt im „Cochemer Krampen“, dem Moselbogen zwischen Cochem und Bremm (360 Einwohner, Verbandsgemeinde Cochem-Land im Landkreis Cochem-Zell) Besonders positiv wertete die Jury die konsequente Weiterentwicklung der Dorferneuerung - besonders im privaten Bauen und Sanieren sowie im weintouristischen Bereich.  In Mesenich, so die Jury, ist die Pflege der Vereinstätigkeiten besonders hervorzuheben (mehr als 10 aktive Vereine). Genannt werden soll z.B. der Verein zur Erhaltung der ortsbildprägenden Bausubstanz („Pumpenverein“) und der Heimat- und Verkehrsverein. Eine Besonderheit sind gemeinsame Feste mit den Nachbargemeinden (z.B. das Weinlagenfest Mesenich/Senheim mit Kulinarischem aus Keller und Küche in den Weinbergen). Das Zusammenwirken der Vereine mit den privaten Initiativen der Winzer, Gasthöfe und Zimmervermieter bewirkt eine beeindruckende Erlebnisvielfalt dieses typischen Moseldorfes und somit die beste Grundlage für den Tourismus.  Konsequent wird die von der Moselland-Tourismus GmbH konzipierte „Mosel-Erlebnis-Route“ mit den Themenbereichen „Pedes, Paddel und Pedale“ umgesetzt.  Hierzu gehören z.B.  - neue qualitätsvolle Hotels Weinstuben und Straußwirtschaften, - Mesenich per pedes: der Rundgang durch den historischen Ortskern - Kanu- und Fahrradverleih - die Nordic-Walking-Route - die Gästeinfostände - die Kennzeichnung der historischen Bauten durch Tontafeln innerhalb eines umfassenden Info-Leit-Systems - der Kulturweg "Mesenicher Steinreichskäpp", der bei prächtiger Aussicht auf das Moseldorf die Begriffe ‚Stein Wein und Natur’ miteinander verbindet. "Mesenicher-Steinreichskäpp" ist der traditionelle Spottnamen der Mesenicher, hergeleitet von den zahlreichen ‚Steinräuschen’ in den Weinbergen. Positiv bemerkte die Jury die Vernetzung zur Nachbargemeinde Briedern und zu dem Skulpturenpark Senheim  Beeindruckend ist die Vielzahl der erhaltenen und vorbildlich sanierten Bauten und Höfe im alten Ortskern, der in seinen wesentlichen Teilen aus dem späten Mittelalter stammt. Durch die rege Sanierungstätigkeit gibt es mittlerweile keine leerstehenden Gebäude im Ortskern mehr. Als Beispiel für die Sanierungs- und Umnutzungsvorhaben sei der spätbarock-klassizistische Brauweiler Hof genannt, der bis Ende des 18. Jahrhunderts auch als Zehnthof diente. Er wurde 1771 unter Baumeister Nikolaus Lauxen errichtet und wird heute als Wohnhaus mit Gästezimmern und Ferienwohnungen genutzt. Positiv registrierte die Jury auch, dass die Gemeinde Beratungs-leistungen für private Dorferneuerungsmaßnahmen anbietet („Beratervertrag“).  Das durchgrünte Dorf besticht durch bunte Gärten, Blumenschmuck und Weinreben am Haus sowie mancherorts begrünten Fassaden und ortstypischen Gehölzen. Dennoch gibt es viel Platz, weiteres Grün an Haus, im Garten und auf dem Weg zu entwickeln, so die Jury. Spontane Vegetation sollte in Pflasterfugen, Mauern und ungenutzten Winkeln zugelassen werden, weil sie Refugien für Tiere und Pflanzen im Ort bieten. Im Hinblick auf geplante Gebäudesanierungen sollte ein Experte sich um die Bedürfnisse der Haustiere wie Fledermaus, Schwalbe und Schleiereule kümmern.  Positiv wertete die Jury, dass im Außenbereich aufgegebene Weinberge mit dem roten Weinbergspfirsich bepflanzt werden; die Produkte des Weinbergpfirsich (Marmelade, Likör) werden neben dem Wein als Leitprodukte vermarktet. Beispielhaft ist auch die unauffällige Existenz des Campingplatzes am Ortsrand durch eine sehr gute Ein- und Durchgrünung.

Hatzenport:
Hatzenport ist ein typisches Moselweindorf der Terrassenmosel (660 Einwohner, Verbandsgemeinde Untermosel, Landkreis Mayen-Koblenz).  Positiv bewertete die Jury die konsequente Umsetzung der von der Moselland-Tourismus GmbH konzipierte „Mosel-Erlebnis-Route“ mit den Themenbereichen „Pedes, Paddel und Pedale“. Hatzenport bietet zahlreiche Anziehungspunkte, um den Tourismus an der Mosel regionaltypisch weiterzuentwickeln. Hierzu gehören z.B.:  - der Kultursommer „Hatzenporter Sommersonnenwende“ mit „Kunst & Kultur, Küche & Keller“ - der „Wein-Wetter-Weg“ ist einer der besonderen Themenwege der WeinKulturLandschaft Mosel, der Zusammenhänge von Wein und Klima darstellt; 2 Wetterstationen sind in diesen Weg integriert. - „Happy Schrumpfbach“, von Mühle zu Mühle im Schrumpfbachtal - eine Gemeinschaftsaktion mit der Nachbargemeinde Münstermaifeld - die Gästeinfo am Fährturm - neue qualitätsvolle Weinstuben und Straußwirtschaften - der Ausbau eines umfangreichen Wanderwegenetzes in Eigeninitiative durch Hatzenporter Bürger und Rentner  Neben den guten Beispielen der Renovierung, Sanierung und Modernisierung alter Bausubstanz hat die Ortsgemeinde mit der Erneuerung des Bahnhofes samt Bushaltestelle einen bedeutenden Beitrag zum Ausbau kommunaler Infrastruktur und damit auch zur Förderung des Tourismus geleistet, so die Jury weiter.  Dorftypische Pflanzen und Tiere sind allerorten zu finden. Artenreich begrünte und bunte Höfe fallen ins Auge. Der wertvollen spontanen Vegetation, die sich von selbst entwickeln kann und Refugien für heimische Fauna und Flora bietet, könnte in Winkeln und Ecken oder auf ungenutzten Flächen noch mehr Raum gelassen werden, so die Jury. Wo immer möglich sollte die standortgerechte Begrünung von Haus und Garten für eine konsequente Durchdringung der ökologischen Aspekte im Dorf genutzt werden.  Im Außenbereich zeigt Hatzenport ein großes Engagement für die Offenhaltung der Landschaft; brachgefallene Weinbergsterrassen werden freigestellt, die für die Terrassenmosel typischen Trockenmauern werden restauriert und gepflegt. Positiv wertete die Jury, dass im Außenbereich aufgegebene Weinberge mit dem roten Weinbergspfirsich bepflanzt werden; die Produkte des Weinbergpfirsich (Marmelade, Likör) werden neben dem Wein als Leitprodukte vermarktet. Vorbildlich ist die Einbeziehung der "Öko-Stiftung Untermosel" , die sich für die Erhaltung des moseltypischen Landschaftsbildes besonders einsetzt.

Thür:
Thür liegt in der „Pellenz“, einer durch den Vulkanismus geprägten Landschaft zwischen dem Maifeld und dem Laacher See (1495 Einwohner, Verbandsgemeinde Mendig, Landkreis Mayen-Koblenz)  Besonders positiv wertete die Jury Gestaltung des durch landwirtschaftliche Gehöfte geprägten und für die Region typischen „Basaltdorfes“ mitten im Vulkanpark.  Mit 16 Betrieben ist Thür ein typisch landwirtschaftlich geprägter Ort, der in Verbindung mit den landschaftskulturellen Potenzialen (z.B. Keltenfunde, Naturschutzgebiet Thürer Wiesen, Fraukirch) gute Entwicklungsmöglichkeiten für den sanften Tourismus bietet. Die Radwegeverbindungen nach Andernach, Mayen und zum Laacher See bieten zusammen mit der Bahnanbindung sehr gute Voraussetzungen, die durch eine regionale Infrastruktur wie z.B. die Hofläden unterstützt werden.  Lobenswert ist die erstmalige Anlage des Dorfmittelpunktes mit Gemeindehaus, Pfarrhaus, Scheune, entstanden durch die Umnutzung und den Umbau zweier landwirtschaftlicher Hofanlagen. Positiv ist auch die Wahrung des über Jahrhunderte entstandenen Ortsgrundrisses sowie äußerst interessante Beispiele zur Gestaltung von Höfen und Gärten.   Bekanntestes Bauwerk in der Gemarkung Thür ist die sagenumwobene Wallfahrtskirche Fraukirch mit ihrer eindrucksvollen Hofanlage. Stallungen und Scheunen bilden zusammen mit dem Herrenhaus inmitten der weiten Flure eine Oase für Menschen, die Stille und Ruhe suchen.  Ökologisch wertvolle Elemente im Dorf sind die bunten Staudengärten, artenreiche Fassadenbegrünungen, dorftypische Gehölze und unversiegelte Plätze. Sie sind als Vorbild zu betrachten, um die Durchgrünung des Ortes an öffentlichen und privaten Gebäuden sowie in Hofräumen fortzuführen. Gebäudesanierungen sollten auch die Bedürfnisse der dorftypischen Bewohner wie Mauersegler, Haussperling und Mehlschwalbe berücksichtigen, damit ihnen das Überleben in der für sie verschlechterten Umwelt erleichtert wird, so die Jury.  Im Außenbereich wertete die Jury das Renaturierungsprojekt „Thürer Wiesen“ sehr positiv. Dort wurde in einer Fläche von über 35 ha die Gewässeraue des Thürer Baches renaturiert; weiterhin wurden Hochwasserretentionsräume geschaffen. Es hat sich ein großer Artenreichtum an Flora und Fauna eingestellt, so dass mittlerweile 26 ha der „Thürer Wiesen“ unter Naturschutz gestellt werden konnten.

Hergenfeld:
Das Naturparkdorf Hergenfeld hat 494 Einwohner. Es liegt zischen dem Soonwald und der Nahe (Naturpark Soonwald-Nahe, Verbandsgemeinde Rüdesheim, Landkreis Bad Kreuznach).   Hergenfeld beweist, dass auch ein kleines Dorf „Zukunft“ hat. Dies zeigt sich insbesondere in der aktiven Dorfgemeinschaft, in der die Bürger Probleme gemeinsam anpacken und lösen. Die Elterninitiative baut einen eigenen Spielplatz, es gibt umfassende Angebote für die Jugend. Besonders positiv bewertet die Jury die Verbindung von Spielleitplanung und Dorfentwicklung. In Hergenfeld werden vor allem auch durch die Dorferneuerung sukzessive die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, um das touristische Potenzial des Naturparks Soonwald–Nahe zu nutzen. So konnte die Gastwirtschaft wieder geöffnet werden und es gibt wieder Anbieter für Ferienwohnungen und Zimmervermietung.  Hervorzuheben sind insbesondere die ästhetischen Qualitäten des zentralen Spielplatzes und des Neubaugebietes, dessen Häuser sich - wie im Ortskern - durch warme Farbtöne in das traditionelle Orts- und Landschaftsbild einfügen („Mut zur abgestimmten Farbigkeit, weg vom Einheitsweiß“). Positiv ist auch die rege Sanierungstätigkeit im Ortskern; hierbei bietet die Gemeinde Bau- und Farbberatungen durch ein Fachbüro an.  Ortstypische Bäume, schöne Staudengärten und begrünte Fassaden tragen wesentlich zur guten Durchgrünung des Dorfes bei. Trotz des Vorliegens eines dorfökologischen Konzeptes finden sich dennoch mancherorts standortfremde Koniferengehölze und auch artenarme Gärten. Mit Hilfe fachlicher Beratung könnten Private überzeugt werden sowie Artenschutzaspekte auch an öffentlichen Gebäuden Berücksichtigung finden, um Lebensraum für Tiere des Dorfes zu schaffen und die standortgerechte und lokaltypische Durchgrünung des Ortes konsequent fortzuführen, regt die Jury an.  Im Außenbereich fielen die Ergänzung und Pflege der Ortseingrünung, die gute Einbindung der Sport- und Erholungsstätten in die Landschaft sowie Anbindung der Reiterhöfe durch Baumalleen und Bewuchs positiv auf.  Insgesamt – so die Jury - ein sehr lebendiger Ort; ein beeindruckendes Engagement der Dorfgemeinschaft aller Altersgruppen in privaten und auch gemeinsamen Initiativen 

Einzelbetrachtungen Sonderklasse:

Hattgenstein:
Hattgenstein ist eine kleine Gemeinde mit 278 Einwohnern. Sie liegt am südlichen Rand des Schwarzwälder Hochwaldes und ist mit 591 m über dem Meeresspiegel der höchstgelegene Ort in der Verbandsgemeinde und dem Kreis Birkenfeld. Ihr Wahrzeichen ist das historische Glockenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Die Entwicklung vom reinen, landwirtschaftlich geprägten Dorf zum lebenswerten Wohnstandort erfolgt auf Grundlage einer überzeugende Rahmenplanung die alle wichtigen Bereiche des dörflichen Lebens umfasst. Eine Besonderheit ist der Verein „Hattgenstein Natürlich e.V.“ dessen Ziele besonders in ökologischer und baugestalterischer Hinsicht ganz im Sinne des Mottos „Unser Dorf hat Zukunft“ weit über die eines Dorfverschönerungsvereins üblicher Ausprägung hinausreichen.  Sehr erwähnenswert sind mehrere vorbildlich renovierte, ortsbild-prägende Gebäude in der Ortsmitte, aber auch im positiven Kontrast hierzu das moderne, energiesparende „Haus im Haus Konzept“ des Wohnhauses Finken. Das bisher Erreichte vermittelt Zuversicht, dass auch die im Ortsbild vorhandenen Bauten der 50-er Jahre unverfälscht erhalten und eingebunden werden können. Sehr gefallen konnte die zurückhaltende, angemessene Architektur des Dorfgemeinschaftshauses.   Durch seine Lage am Waldrand, den Baumbestand und den Verzicht auf steinerne Grabeinfassungen wird der dörfliche Friedhof zu einem der wenigen vorbildlichen Anlagen in der Region.   Im Dorf finden sich erfreulicherweise noch viele alte, ländliche Pflanzensorten. Zahlreiche Alleen verknüpfen Dorf und Landschaft. Die Ortsrandbegrünung ist intakt. Neben der Pflanzung dient auch die Pflege und die Nutzung der Streuobstbestände dem Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft.   Einen Beitrag zum sanften, landschaftsgerechten Tourismus liefern das gut ausgebaute Wanderwegenetz und der Zauberwald. Der grandiose Ausblick von der höchsten Plattform des neu errichteten, auch konstruktiv-gestalterisch gelungenen Turmbauwerks am ehemaligen Sportplatz, lädt dazu ein für ein paar Minuten die Zeit zu vergessen.

Buch:
Buch besitzt 585 Einwohner und ist in unmittelbarer Nachbarschaft zum Unterzentrum Nastätten gelegen. Dennoch wandelte sich die Gemeinde nicht zu einem beliebigen Wohnort, sondern hat sich eine eigenständige dörfliche Qualität und somit ein wichtiges Stück Zukunftsfähigkeit erhalten.   Mit der guten Platzierung würdigt die Jury auch die enorme Dynamik in der Entwicklung der Gemeinde.   Gelungen ist das Gestaltungskonzept einer „neuen Ortsmitte“ im Umfeld des Vereinshauses. Die bereits weit vorangetriebene Umsetzung des Vereinsgebäudes ist von viel freiwilliger Eigenleistung der Bürger und Bürgerinnen, einem wichtigen Element der Dorfentwicklung, besonders in Zeiten knapper Kassen geprägt. Eine Vorher-Nachher-Dokumentation verdeutlicht die erzielten Fortschritte.   Sehr gefallen konnte die Einbindung von Kindern und Jugendlichen als fester Bestandteil des Dorflebens. Hervorzuheben ist die Idee den Jugendlichen einen Bauwagen als temporäre Unterkunft im Ortsmittelpunkt zur Verfügung zu stellen und in ein architektonisch-künstlerisches Gesamtkonzept unter Einbeziehung selbst einer Trafostation einzubinden, das von den Jugendlichen mitgestaltet wurde. Ein Baustein um junge Leute auch zukünftig für ein Leben im ländlichen Raum zu gewinnen.  Erfreulich, dass sich Privatpersonen zur Modernisierung ortsbild-prägender Gebäude wie der „Alten Mühle“ oder zur Umnutzung des Schuppens beim Alten Hof an der Hauptraße fanden. Hier liegt noch weiteres Potential zur Fortentwicklung des Dorfes.   Sehr positiv wurde auch bewertet, das der Vorrang der Innenentwicklung vor Außenentwicklung als Beitrag zum Erhalt der Ortskerne erkannt und gelebt wird. Auf diese Weise liefert die Gemeinde auch einen weitern Beitrag zur Schonung von Natur und Umwelt.   Mit der Vermostung der auf den Streuobstwiesen geernteten Äpfel wird ein sinnvoller Beitrag zum langfristigen Erhalt dieser ökologisch wichtigen Bereiche geliefert.  Ein Beitrag zur sanften, dorfgerechten Erholung wurde mit der Wiedererschließung des Bucher Tals geschaffen. Mit einem Maßnahmebündel wurde der Bucher Bach ökologisch aufgewertet und durch einen geschickt eingebundenen Wanderweg erschlossen. In der Nähe findet sich ein Sauerbrunnen, der von einem blauen Pferd als Symbol für das blaue Ländchen besucht wird.

Niederelbert:
Niederelbert findet man im Westerwald südlich von Montabaur im Naturpark Nassau. Die Gemeinde besitzt etwa 1.750 Einwohner.   In Erinnerung bleibt sie den „Durchreisenden“ durch die gelungene Gestaltung der Dorfstrasse mit Großgrün, vielen geschickt angelegten Grünflächen und den erlebbar gestalteten Bachläufen. Dabei ist der Elbertbach sowohl ortsbildprägend als auch ökologisch bedeutsam.  An dieser „Dorfachse“ wurde eine echte Ortsmitte geschaffen. Hier finden sich neben dem Rathaus mit einer kleinen Bücherei Gastronomie und Geschäfte die der Versorgung dienen.   Das Dorf hat sich allerdings längst vom Straßendorf zum Haufendorf entwickelt. Dieser Entwicklung liegen qualifizierte, gut strukturierte Konzepte zu Grunde.   Gefallen konnte auch die Jungendarbeit, die einen autonom von Jugendlichen selbst geführten Jugendtreff zulässt.  Alle für ein Dorf dieser Größenordnung wichtigen, öffentlichen Einrichtungen sind vorhanden, hinterlassen einen gepflegten Eindruck und prägen ihr Umfeld positiv.  Daneben finden sich eine ganze Reihe hervorragend renovierter ortsbildprägender privater Gebäude. Mit diesem Einsatz leisten private Eigentümer einen ganz wichtigen Beitrag zum Erhalt der Identität des Dorfes. Als Beispiel hierfür steht, neben vielen anderen, die alte Mühle.   Herausragend aus der ohnehin regen Vereinsarbeit sind die Chöre des Gesangvereins „Hoffnung“ die eine Bedeutung sicher weit über Niederelbert hinaus besitzen.

Elkenroth:
Die Gemeinde Elkenroth ist zwischen Hachenburg und Betzdorf auf einem Hochplateau gelegen. Sie besitzt knapp 2.000 Einwohner. Die Entwicklung des Dorfes wird mit großer Zielstrebigkeit vorangetrieben. Fachbereichsübergreifende Planungen (zum Beispiel Spielleitplanung, Grünordnungsplanung, usw.) greifen gut ineinander. Die beabsichtigte weitere Verbesserung der Ortsmitte wird planungsrechtlich durch einen Bebauungsplan abgesichert.  Wohnen und gewerbliche Nutzungen sind harmonisch in das Ortsbild eingefügt. Der Arbeitskreis Schule und Wirtschaft bemüht sich um berufliche Perspektiven für junge Leute.   Als sehr erfreulich kann die für einen Ort dieser Größenordnung sehr gute Grundversorgung bewertet werden.   Der Steinbornpark als „grüne Mitte“ steht für eine dorfgerechte Freizeit- und Erholungsfläche.   Die naturnahe Waldbewirtschaftung die in Elkenroth durchgeführt zeigt beispielhaft eine Möglichkeit für eine Balance zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen.   Erfreulich, dass die verschiedenen Schutzgebiete (Vögel, Wasser ) die die Gemeinde umgeben, mehr als Potential für touristische Konzepte, denn als Korsett und Beschränkung begriffen werden.  Auch in Elkenroth wurde erkannt und verinnerlicht das zukünftig anstelle der Ausweisung weiterer Neubaugebiete, der Focus auf die innerörtliche Entwicklung gerichtet werden muss. Oder um es anders zu sagen: „Unser Baugebiet ist der Ortskern“.  Gesamteindruck der Gebietsentscheide Entsprechend der Neuausrichtung des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" lag bei der Gebietskommission ein besonderes Augenmerk auf den Zukunftsperspektiven in den jeweiligen Gemeinden. Allen Siegergemeinden gemeinsam war das große Engagement der Bürgerinnen und Bürgern. Es hat sich bei den Ortsbegehungen wiederum gezeigt, dass eine Vielzahl von beispielhaften Initiativen bei ihrer Umsetzung mit einem hohen Einsatz von Eigenleistungen verbunden ist. Zunehmend hat man erkannt, dass die Entwicklung des ländlichen Raumes ein vernetztes Denken und Arbeiten voraussetzt und der Prozess der Erneuerung im Kontext von wirtschaftlicher Entwicklung, Tourismus und damit auch von örtlichen Wertschöpfungen gesehen werden muss.

Insgesamt haben sich für den Gebietsentscheid im Gebiet Koblenz 2006 von 260 teilnehmenden Gemeinden in Rheinland-Pfalz 31 Gemeinden qualifiziert. Von diesen 31 Gemeinden werden in der Hauptklasse 5 und in der Sonderklasse 4 Gemeinden des Gebietsentscheides 2006 im Landesentscheid vertreten sein. Die 5 Siegergemeinden in der Hauptklasse werden in der Zeit vom 11. – 15. September 2006 und die Sieger in der Sonderklasse in der Zeit vom 04. – 08. September 2006 von der Landeskommission besucht. Auf drei Gebietsfeiern wird der ADD-Präsident, Dr. Josef Peter Mertes, die erfolgreichen Gemeinden persönlich ehren. Die genauen Termine werden noch bekannt gegeben.  Die Resonanz auf die Sonderpreise des Präsidenten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion im Gebietsentscheid zu den Themen „Vorbildlich renovierte ortsbildprägende Bauten im ländlichen Raum“ und „Vorbildliches neues Bauen im ländlichen Raum“ waren sehr unterschiedlich. Es konnte eine Vielzahl vorbildlich renovierter ortsbildprägender Bauten im ländlichen Raum in den Gemeinden angetroffen werden, dagegen war die Ausbeute im Bereich des vorbildlichen neuen Bauens sehr spärlich.  Das Ergebnis der Expertenkommission zur Auswahl dieser Sonderpreise wird am 02. November in Trier bekannt gegeben.

 

Ansprechpartner: Michael Ziewers Telefon: Tel: +49(651) 9494-257 E-Mail: pressestelle@add.rlp.de

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