Aussichtsturm in Hattgenstein

Monatelang war "er" Gesprächsthema im Dorf - auf der Schwollner Fastnacht wurde "er" als "Projekt, das den Horizont bestimmter Hattgensteiner erweitert," beschrieben - seit dem 25. Januar 2006 hat "er" seine "Beine bekommen": Der Hattgensteiner Aussichtsturm!
An der mit knapp 600 Höhenmetern höchsten Stelle im Dorfgebiet, dem Rothenburgberg stellt die Firma Ochs GmbH aus Kirchberg den über zwanzig Meter hohen Koloss auf.
Auf die Aussicht darf man gespannt sein - war es doch bisher aufgrund der Hanglage des Dorfes nur möglich, den Blick nach Süden und Osten zu genießen. Insoweit haben die Schwollner Fastnachtshumoristen Recht - der Blick auf Erbeskopf und Idarkopf im Westen und im Norden wird den Horizont vieler Turmbesteiger im wahrsten Sinne des Wortes erweitern!
Der Turm stellt zweifelsfrei eine treffgenaue Erweiterung des touristischen Angebotes der Region dar. Schließlich erfreuen sich der Hunsrück-Ferienpark Hambachtal und die Jugendfreizeitstätte Hattgenstein, die beide nur wenige Gehminuten vom Turmstandort entfernt sind, Jahr für Jahr zahlreicher Gäste. Außerdem grenzen mit dem Zauberwald, dem Nordic-Walking-Park und dem Sirona-Weg gleich mehrere überregional frequentierte Wanderwege an den Rothenburgsberg. Allerdings stellt das Projekt mit Kosten von ca. 300.000 Euro einen wahrlich "teuren Spaß" dar. Auch wenn das Land den Bau mit 90% fördert, wird dies eine Angriffsfläche für so manchen Kritiker darstellen.
Abgerundet wird das touristische Angebot durch die Wiedereröffnung des ehemaligen Hattgensteiner Sportheimes, das sich jetzt Rothenburghütte nennt. Siehe dazu den Pressebericht "Sportheim wieder belebt".
Holger Konrad


Nahe Zeitung vom 01.04.2005, Seite 22.:
Stämme aus dem Birkenfelder Stadtwald für Turmbau in Hattgenstein

"Lokale Hölzer für lokale Projekte" ist das Motto. Und so mussten jetzt einige handverlesene, mehr als 100 Jahre alte Douglasien aus dem Birkenfelder Schönenwald fallen für den Bau eines Aussichtsturms auf der Höhe bei Hattgenstein. Aus einem der ältesten Bestände Deutschlands stammen laut Revierförster Ulrich Christ die Stämme, die gestern Morgen für den Transport verladen wurden. Sie sind bis zu 27,5 Meter lang, haben am dicken Ende einen Umfang von knapp einem Meter und sind hervorragend für den Einsatz in freier Natur geeignet. Sie trotzen auch unbehandelt jeder Witterung. (kpm) 

 Foto: Gerhard Ding


Nahe Zeitung vom 13.04.2005, Seite 26.:

Die Aussicht schon getestet
Bauarbeiten am Turm beim Hattgenstein haben begonnen - 110 Stufen führen in 20 Meter Höhe.

Sogar die späterere Aussicht wurde getestet: Mit Hilfe der großen Drehleiter der Birkenfelder Feuerwehr wurde die Besucherplattform in gut 20 Meter Höhe simuliert.
Skizze AussichtsturmHATTGENSTEIN. Im Birkenfelder Stadtwald wuchsen die vier mächtigen Douglasien, deren Stämme dem Bauwerk die charakteristische Gestalt geben. In einem auf Holzkonstruktionen aller Art spezialisierten Hunsrücker Ingenieurbüro entstanden die Pläne. So darf der Aussichtsturm, der auf der Anhöhe über Hattgenstein entsteht, schon jetzt als ein Stück heimischen Kulturerbes gelten.
Exakt 27 Meter lang ist der mittlere der Stämme - quasi die Spindel des Bauwerks, etwa zwei Meter kürzer die drei äußeren, die in Form eines gleichschenkeligen, sich nach oben verjüngenden Dreiecks aufgestellt werden. Um 180 Grad und deshalb auf breiter Front über den Turm hinausragend: die ebenfalls dreieckige Aussichtsplattform in fast 21 Meter Höhe. Stahlseile sichern das Podest, erläutert Thomas Gorges, der mit Partner Manfred Sänger das Ingenieurbüro für Baustatik und Tragwerksplanung in Reinsfeld betreibt.Das Zehn-Mitarbeiter-Büro ist nach Worten seines Chefs vor allem "stark im Holzbau", konstruiert in der Regel aber eher Häuser, Pavillons und Fachwerk aller Art als Aussichtstürme. Projekte von Sänger & Gorges, die 1997 mit einem Landespreis für Holzbau ausgezeichnet wurden, finden sich heute in ganz Rheinland Pfalz, von Enkirch an der Mosel bis Neustadt an der Weinstraße.

Tragwerk und Geometrie aufeinander abzustimmen, war nach Worten des planenden Ingenieurs Thomas Gorges die größte Herausforderung bei der Konstruktion des Aussichtsturms.

Ausblick simuliert
Ganze Schulklassen können sich nach Worten des Konstrukteurs auf den 45 Quadratmetern Aussichtsfläche versammeln: Die Statik ist auf die für Hausbalkone übliche Last von 500 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt. Eine Art "Zeltdach" aus Zink- und Stahlblechen wird Turmbesteiger vor allzu viel Sonne und Regenschauern schützen.
Und dass der Ausblick vom früheren Sportplatz der mit 600 Metern über Normalnull höchstgelegenen Ortsgemeinde des Landkreises bei gutem Wetter bis weit hinüber in die Nordpfalz und das Saarland wirklich einzigartig ist, hat man auch schon im Vorfeld getestet. Mittels großer Drehleiter der Stützpunktfeuerwehr Birkenfeld wurde der Blick aus 20 Metern Höhe simuliert.
110 Stufen sind auf dem Weg nach oben zu ersteigen, vier Podeste ermöglichen ein Verschnaufen. Die Treppe ist eine zwischen den Stämmen eingehängte Stahl- und Gitterrost-Konstruktion.

Einweihung im März
Die Douglasien-Stämme, vor einigen Tagen angeliefert, werden derzeit von den Zimmerleuten entrindet und hergerichtet, parallel dazu fertigt eine Metallbaufirma die Treppenteile vor, skizziert Michael Heinrich von der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Birkenfeld den aktuellen Stand der Arbeiten.
Nachdem man kurzzeitig den Oktober 2005 als möglichen Termin ins Auge gefasst hatte, will man nun doch auf Nummer sicher gehen: Voraussichtlich im März kommenden Jahres soll der Turm eingeweiht werden. Die Baukosten von rund 200 000 Euro wird das Land zu 90 Prozent übernehmen. Das Projekt wird aus den Töpfen des Kulturerbe-Konzepts gefördert.
Der Aussichtsturm wird nicht nur bestehende touristische Angebote mit dem Naturlehrpfad "Zauberwald", diversen Nordic-Walking- und Trimm-Routen oder dem zu den schönsten des Landes zählenden Dorf Hattgenstein in unmittelbarer Nachbarschaft abrunden. Zu Füßen des Turms soll auf längere Sicht ein Spiel- und Freizeitgelände nebst kleiner Gastronomie entstehen.(kpm)

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